Bonze

Substantiv (Nomen), maskulin (männlich)

Aussprache

Lautschrift (IPA):[ ˈbɔnt͡sə ]

Silbentrennung

Einzahl:Bonze
Mehrzahl:Bonzen

Definition bzw. Bedeutung

Begriffsursprung

In späterem 18. Jahrhundert kommt bei Vertretern der Aufklärung (insbesondere bei Wieland) die 2. Bedeutung auf. Ausgehend von der geistigen und ideologischen Unbeweglichkeit dieses in der 2. Bedeutung beschriebenen Geistlichen wird der Ausdruck im 19. Jahrhundert aus dem religösen und kirchlichen Zusammenhang auf den des Staats- und Gesellschaftswesen verschoben. So wird er ab dieser Zeit allgemein und schlagwortartig in der 3. bis 5. Bedeutung abschätzig gebräuchlich. In der 6. Bedeutung tritt er vereinzelt schon im früheren 19. Jahrhundert (siehe 1. Beispiel der 6. Bedeutung), verstärkt jedoch erst seit dem Ende desselben Jahrhunderts als Spottwort im politischen Bereich, besonders in der Arbeiterbewegung, sowie in der Zeit des Nationalsozialismus für Marxisten und Kommunisten in Erscheinung.

Alternative Schreibweisen

  • Bonse (Nbf.)
  • Bonzi (Nbf.)
  • Bonzier (Nbf.)

Weibliche Wortform

  • Bonzin

Deklination (Fälle)

SingularPlural
Nominativder Bonzedie Bonzen
Genitivdes Bonzender Bonzen
Dativdem Bonzenden Bonzen
Akkusativden Bonzendie Bonzen

Anderes Wort für Bon­ze (Synonyme)

große Nummer
hohes Tier (ugs.)
Mächtiger
Apparatschik:
ein Befehlsempfänger in einem politischen System, der seinerseits unbeirrt Maßnahmen durchdrückt, die systemkonform sind
(höherer) Parteifunktionär:
Person, die im Auftrag/im Namen einer Partei tätig ist
Hochgestellter
Hochstehender

Sinnverwandte Wörter

Al­ter:
alte Person unbestimmten Geschlechts
alter Mann
bai­risch:
das Bairische, einen oberdeutschen Dialektverbund, betreffend, auf das Bairische bezogen
Betbruder
Bibelhengst
Bibelhusar
Boss:
eine Person in einer hohen Position, die anderen Mitarbeitern Anweisungen gibt: Vorgesetzter
eine Person mit viel Macht
Chef:
allgemein für Anführer oder Oberhaupt von Gruppen auch als Anrede
gM Person mit Weisungsbefugnis über nachgeordnetes Personal, Inhaber, Vorgesetzter
Dick­kopf:
Arten aus der Vogelfamilie der Dickköpfe (Pachycephalidae)
Kurzbezeichnung für: Arten aus der Familie der Dickkopffalter (Hesperiidae)
Di­no­sau­ri­er:
etwas Altes, nicht mehr Zeitgemäßes
nach dem Mesozoikum ausgestorbenes, meist großes Reptil
emo­ti­o­nal:
Emotionen zeigend; oft vorwurfsvoll: (über-)empfindlich
nicht steigerbar: mit Gefühlen (Emotionen) zu tun habend
Finsterling
frommer Bauch
Geldhyäne
gemachter Mann
Goldjunge
Gottes Werbeleiter
graue Emi­nenz:
öffentlich nicht in Erscheinung tretende Person, die ohne förmliche Zuständigkeit oder offizielle Funktion maßgeblichen Einfluss auf Entscheidungen hat
Graue Eminenz
großer Rabe
Groß­kop­fer­ter:
jemand mit akademischer Ausbildung
mächtige, einflussreiche männliche Person des öffentlichen Lebens, besonders aus den Bereichen Politik und Wirtschaft
Häupt­ling:
Leiter einer Gesellschaft, Organisation oder eines Verbandes
Oberhaupt eines Volksstammes, Stammesoberhaupt eines Naturvolkes
Halb­gott:
jemand mit einem göttlichen und einem nichtgöttlichen Elternteil
übertragen heldenhafter Mensch
Hansdampf in allen Kassen
Himmelskomiker
iro­nisch:
spöttisch oder humorvoll das Gegenteil aussagend
Kerzelschlucker
Kolk­ra­be:
Ornithologie: der größte europäische Vogel der Familie der Rabenvögel
Millioneser
Moral-Athlet
Mu­cker:
griesgrämige, mürrische Person
Person, die mit ihrer Meinung hinter dem Berg hält, sich allzu leicht fügt
Na­t­schal­nik:
besonders in der DDR, veraltend abwertend oder scherzhaft: Chef, Leiter, Vorgesetzter
ost­deutsch:
auf den östlichen Teil Deutschlands, zumeist die neuen Bundesländer bezogen (Vergleiche Ostdeutschland)
Pfaf­fe:
abwertend: Pfarrer, Geistlicher
reicher Knopf
reicher Macker
reicher Pinkel
reicher Pinsel
reicher Spund
sa­lopp:
etwaige Formen nicht beachtend
Schwarz­kit­tel:
abwertend: (katholischer) Geistlicher
Jägersprache, Wildschwein
Schwarzrock
Schwerreicher
Seelenaufkäufer
Seelenfänger
Seelengreifer
Seelenjäger
Se­mi­ko­lon:
Satzzeichen, das zwei selbstständige Sätze trennt
Stinkreicher
ver­stär­ken:
intensiver werden
stärker, belastbarer machen

Gegenteil von Bon­ze (Antonyme)

der kleine Mann

Beispielsätze

  • Wenn die Musen mich nicht geküsst hätten, hätten die Bonzen mich erschlagen.

  • Erwarte von einem kahlköpfigen Bonzen nicht, dass er dir seinen alten Kamm schenkt.

  • Den Bonzen suchst du vergebens auf dem Weg zur Pagode.

  • Gibst du dich mit keinem Bonzen ab und kennst du auch nicht ein Gebet, so ist dir selbst der Teufel nicht gewachsen.

  • Das Belügen eines Bonzen bedeutet sieben Generationen hindurch Unheil.

Praktische Beispiele aus der Medienlandschaft

  • Ihr Mann, ein Ingenieur, weiß es zu schätzen, dass es im Dorf „keine Wichtigtuer und keine Bonzen“ gebe.

  • Dort seien die Bonzen und der letzte Lurch auch noch, religiöse und kulturelle Minderheiten.

  • Trotzdem behaupten naive Idioten und Analphabeten immer wieder – das waren die Russen und die Bonzen der DDR!

  • Man kann ja auch 1,5 Meter Abstand halten, aber der ist den Bonzen zu dicht bei der Rednertribüne.

  • Die BVG steht weder für Bonzen, Miethaie, SUV-Fahrer oder andere Feindbilder, die in manchen Kreisen gerade wieder in Mode kommen.

  • In den USA brachte es einen brachialen Bonzen an die Macht, in Großbritannien die Brexitidee zum Blühen.

  • Den Vorwurf »korrupte Bonzen« an Gewerkschaftsfunktionäre gibt es im Westen auch.

  • Du meinst also, das Wir Wähler an der Politik dieser Bonzen schuld sind, weil Wir sie immer alle 4 Jahre im politischen Amt bestätigen?

  • An eine Garagenwand hat jemand „Bonzen“ gesprüht.

  • Geht aber nicht,weil das sind alle parteinahe "Bonzen".

  • Wie schon Venezuela gab Argentinien den Bonzen einen mit der Kelle.

  • Je weiter weg vom Wähler desto frecher - siehe die EU Bonzen Rompuy, Barroso, Schulz, Brok, Wellmann.

  • Die Europawahlen werden Herrn Fischer und den anderen EU Bonzen die Antwort geben die ihnen gebührt.

  • In diesem Jahr saßen aber vor allem Bonzen in der ersten Reihe, die Fans mussten mit schlechteren Karten Vorlieb nehmen.

  • Das auch noch, nach einer Hochzeit im Piratenhafen für Bonzen.

  • Dass die EU Bonzen nur noch Totalversager sind zeigt diese Absicht der Schuldenreduktion von Griechenland.

  • Die Bonzen in Brüssel fahren ganz Europa an die Wand!

  • Zu reden gab insbesondere der Titel: Alle Wohlhabenden als «Bonzen» zu bezeichnen, sei zu pauschal und zu plakativ, hiess es.

  • Wenn der Bonze noch pennt, sein Auto schon brennt

  • Außerdem geißelt er den "Leistungsterror und das Konkurrenzdenken", damit das gelernt werde, was die Bonzen wollten.

Wortbildungen

  • Bonnze
  • Bonzenghetto
  • Bonzenheber
  • Bonzenheer
  • Bonzenregierung
  • Bonzenschaft
  • Bonzenschlitten
  • Bonzensiedlung
  • Bonzentum
  • Bonzenwesen
  • Bonzenwirtschaft
  • Bonzerei
  • Bonzokratie
  • Lago di Bonzo
  • umbonzen
  • verbonzen

Übergeordnete Begriffe

Untergeordnete Begriffe

  • Bierbonze
  • Festbonze
  • Gewerkschaftsbonze
  • Industriebonze
  • Kathederbonze
  • Kommissbonze
  • Kulturbonze
  • Literaturbonze
  • Nazibonze
  • Oberbonze
  • Par­tei­bon­ze
  • Parteibuchbonze
  • Politbonze
  • Wirtschaftsbonze

Übersetzungen

Anagramme

Wortaufbau

Das zweisilbige Isogramm Bon­ze be­steht aus fünf Buch­sta­ben und setzt sich wie folgt zu­sammen: 1 × B, 1 × E, 1 × N, 1 × O & 1 × Z

  • Vokale: 1 × E, 1 × O
  • Konsonanten: 1 × B, 1 × N, 1 × Z

Eine Worttrennung ist nach dem N mög­lich. Im Plu­ral Bon­zen nach dem ers­ten N.

Das Alphagramm von Bon­ze lautet: BENOZ

Buchstabiertafel

Entsprechend der deut­schen Buch­sta­bier­ta­fel für Wirt­schaft und Ver­wal­tung (DIN 5009:​2022-06) wird das Substantiv fol­gen­der­maßen buch­sta­biert:

  1. Ber­lin
  2. Offen­bach
  3. Nürn­berg
  4. Zwickau
  5. Essen

In Deutschland ebenfalls ge­läufig ist die Buch­sta­bie­rung nach dem pos­ta­li­schen Buch­sta­bier­al­pha­bet von 1950:

  1. Berta
  2. Otto
  3. Nord­pol
  4. Zacharias
  5. Emil

International ist das eng­lischs­spra­chige ICAO-Alpha­bet (kein „ẞ“ und keine Umlaute) an­er­kannt:

  1. Bravo
  2. Oscar
  3. Novem­ber
  4. Zulu
  5. Echo

Heute vorwiegend nur noch als Funk­feuer in der Luft- und Schiff­fahrt ge­bräuch­lich ist der Mor­se­code (auch Mor­se­al­pha­bet oder Mor­se­zei­chen genannt):

  1. ▄▄▄▄ ▄ ▄ ▄
  2. ▄▄▄▄ ▄▄▄▄ ▄▄▄▄
  3. ▄▄▄▄ ▄
  4. ▄▄▄▄ ▄▄▄▄ ▄ ▄

Scrabble

Beim Scrabble gibt es 10 Punkte für das Wort Bon­ze (Sin­gu­lar) bzw. 11 Punkte für Bon­zen (Plural).

Bonze

Bitte je­doch stets das offi­zielle Scrabble-Regel­werk (z. B. zu Vor- und Nach­silben) beachten!

Worthäufigkeit

Das Nomen Bon­ze kam im letz­ten Jahr äußerst sel­ten in deutsch­spra­chi­gen Tex­ten vor. Dies hat eine Aus­wer­tung meh­re­rer Mil­lio­nen Bei­spiel­sätze ergeben.

Buchtitel

  • Bauern, Bonzen und Bomben Hans Fallada | ISBN: 978-3-49927-377-3

Häufige Rechtschreibfehler

  • Bontze (veraltet)
  • Bontzen (Pl.)
Quellen:
  1. [Allgemeine Datenbasis] Wiktionary-Autoren: Bonze. In: Wiktionary – Das freie Wörterbuch, 2023, [online] de.wiktionary.org, CC BY-SA 3.0
  2. [Thesaurus] OpenThesaurus-User: Bonze. In: OpenThesaurus – Das freie Wörterbuch für Synonyme, 2024, [online] openthesaurus.de, CC BY-SA 4.0
  3. [erweiterte Beispielsätze] User-generated content: Satz-Nr. 5791462, 5464321, 5464303, 5461416 & 5109747. In: tatoeba.org, CC BY 2.0 FR
  4. [Newskorpus] D. Goldhahn, T. Eckart & U. Quasthoff: Building Large Monolingual Dictionaries at the Leipzig Corpora Collection: From 100 to 200 Languages. In: Proceedings of the 8th International Language Resources and Evaluation (LREC'12), 2012, CC BY 4.0
  1. Adolf Josef Storfer: Wörter und ihre Schicksale. Atlantis-Verlag, Berlin/Zürich 1935
  2. faz.net, 16.05.2023
  3. derstandard.at, 15.10.2021
  4. linkezeitung.de, 20.07.2021
  5. deanreed.de, 17.04.2020
  6. morgenpost.de, 24.09.2019
  7. wiwo.de, 08.11.2019
  8. neues-deutschland.de, 22.06.2017
  9. netzpolitik.org, 25.08.2017
  10. tagesspiegel.de, 22.04.2016
  11. zeit.de, 07.06.2016
  12. jungewelt.de, 14.09.2015
  13. zeit.de, 06.09.2014
  14. diepresse.com, 13.11.2013
  15. stern.de, 28.05.2012
  16. bazonline.ch, 05.07.2011
  17. diepresse.com, 23.01.2011
  18. diepresse.com, 08.12.2011
  19. nzz.ch, 01.12.2010
  20. spiegel.de, 31.10.2009
  21. faz.net, 17.11.2009
  22. steiermark.orf.at, 26.12.2008
  23. kokhavivpublications.com, 07.06.2007
  24. sueddeutsche.de, 20.03.2007
  25. archiv.tagesspiegel.de, 17.03.2003
  26. Berliner Zeitung 1999
  27. Welt 1998
  28. Süddeutsche Zeitung 1995