verscheiden

Verb (Tunwort)

Aussprache

Lautschrift (IPA): [fɛɐ̯ˈʃaɪ̯dn̩]

Silbentrennung

verscheiden

Definition bzw. Bedeutung

aufhören zu leben

Begriffsursprung

  • Etymologisch: von mittelhochdeutsch verscheiden „weggehen, verschwinden; sterben“

  • strukturell: Ableitung zum Verb scheiden mit dem Präfix ver-

Konjugation

  • Präsens: ich verscheide, du verscheidest, er/sie/es verscheidet
  • Präteritum: ich ver­schied
  • Konjunktiv II: ich verschiede
  • Imperativ: verscheide! (Einzahl), verscheidet! (Mehrzahl)
  • Partizip II: ver­schie­den
  • Hilfsverb: sein

Anderes Wort für ver­schei­den (Synonyme)

(den) Arsch zukneifen (vulg., fig.)
(den) Löffel abgeben (ugs., fig., salopp)
(die) Augen für immer schließen (verhüllend)
(die) Reihen lichten sich (fig.)
(jemandem) schlägt die Stunde
(jemandes) letztes Stündlein hat geschlagen
(seine) letzte Fahrt antreten (ugs., fig.)
(seinen) letzten Atemzug tun
ableben
abtreten (fig.):
die Schuhe säubern
durch Gebrauch abnutzen
aus dem Leben scheiden (fig.)
dahingehen (geh., verhüllend):
(von einer bestimmten Zeitspanne) durch Ablauf zu Ende gehen bzw. (in bestimmter Weise) verlaufen
aufhören zu leben
dahingerafft werden (von) (ugs.)
dahinscheiden (geh., verhüllend):
aufhören zu leben und sterben
das Zeitliche segnen
davongehen (fig.):
aufhören zu leben; sterben
sich zu Fuß von einem bestimmten Ort/vom Sprechenden entfernen
den Geist aufgeben (ugs.)
den Weg allen Fleisches gehen (geh.)
die Grätsche machen (ugs., salopp)
die Hufe hochreißen (derb, fig.)
dran glauben (müssen) (ugs.)
entschlafen (fig., verhüllend):
gehoben, verhüllend: sanft sterben, im Schlaf sterben
gehoben: langsam, allmählich einschlafen
erlöschen:
als Familie aufhören zu existieren (weil es keine Nachkommen gibt)
als Vulkan keine Aktivität mehr zeigen
fallen (militärisch):
auf einen niedrigeren Wert sinken
beschönigend, verharmlosend: sterben durch Gewalteinwirkung im Krieg
gehen (verhüllend):
(Computer) auf etwas gehen: den Mauszeiger auf etwas bewegen und ggf. anklicken oder öffnen
(der Teig beim Backen): sich in der Ruhephase beim Gärprozess befinden, aufgehen, gären
heimgehen (fig., verhüllend):
nach Hause gehen
sterben
in die ewigen Jagdgründe eingehen
in die Ewigkeit abberufen werden (geh., fig.)
in die Grube fahren (ugs., fig.)
in die Grube gehen (ugs.)
ins Grab sinken (geh., fig.)
ins Gras beißen (ugs., fig.)
sanft entschlafen (fig., verhüllend)
sein Leben aushauchen (geh.)
seinen Geist aufgeben (ugs.)
seinen Geist aushauchen (geh.)
seinen letzten Gang gehen (fig.)
sterben (Hauptform):
aufhören zu leben
uns verlassen (verhüllend)
verdämmern:
untätig sein, nicht teilnehmen, keine Anteilnahme, kein Mitgefühl zeigen
verblassen, unsichtbar werden, vergehen
versterben:
aus einem lebendigen in einen toten Zustand wechseln
vom Stangerl fallen (bairisch, fig.)
von der Bühne (des Lebens) abtreten (fig.)
von uns gehen (fig.)
vor seinen Richter treten (geh., fig., religiös)
vor seinen Schöpfer treten (geh., fig.)
wegsterben:
(relativ plötzlich und schnell) aufhören zu leben

Beispielsätze

  • Er verschied am 3. November 1976.

  • Unsere Ansprüche sind so verschieden, dass wir nur miteinander auskommen können, wenn wir zu Kompromissen bereit sind.

  • Die Zeichensetzungsregeln sind von Sprache zu Sprache verschieden.

  • Vor Gott sind alle Menschen gleich, erst die Religionen machen sie verschieden!

  • Die Linien des Lebens sind verschieden.

  • Tom und Maria hatten verschieden Vorstellungen.

  • Er ist um 2 Uhr 30 verschieden.

  • Die zwei Brüder sind recht verschieden.

  • Algerien und Pakistan sind völlig verschieden.

  • Die japanische Aussprache ist von Ort zu Ort verschieden.

  • Männer und Frauen denken grundlegend verschieden.

  • Wir zwei sind so verschieden!

  • Wir sind doch sehr verschieden.

  • Warum sind alle Menschen so verschieden?

  • Alle Menschen sind verschieden und müssen deine Meinungen nicht teilen.

  • Unsere Augenfarben sind verschieden.

  • Java und JavaScript sind genau so verschieden wie Indien und Indonesien.

  • Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern.

  • Tom verschied.

  • Der Esel und sein Treiber denken verschieden.

Praktische Beispiele aus der Medienlandschaft

Der Leser wird mit ihnen vertraut gemacht und darf dann Zeuge sein, wie sie verscheiden.

Wortbildungen

Übergeordnete Begriffe

Übersetzungen

Was reimt sich auf ver­schei­den?

Anagramme

Wortaufbau

Das dreisilbige Verb ver­schei­den be­steht aus elf Buch­sta­ben und setzt sich wie folgt zu­sammen: 3 × E, 1 × C, 1 × D, 1 × H, 1 × I, 1 × N, 1 × R, 1 × S & 1 × V

  • Vokale: 3 × E, 1 × I
  • Konsonanten: 1 × C, 1 × D, 1 × H, 1 × N, 1 × R, 1 × S, 1 × V

Eine Worttrennung ist nach dem R und I mög­lich.

Das Alphagramm von ver­schei­den lautet: CDEEEHINRSV

Buchstabiertafel

Entsprechend der deut­schen Buch­sta­bier­ta­fel für Wirt­schaft und Ver­wal­tung (DIN 5009:​2022-06) wird das Wort fol­gen­der­maßen buch­sta­biert:

  1. Völk­lingen
  2. Essen
  3. Ros­tock
  4. Salz­wedel
  5. Chem­nitz
  6. Ham­burg
  7. Essen
  8. Ingel­heim
  9. Düssel­dorf
  10. Essen
  11. Nürn­berg

In Deutschland ebenfalls ge­läufig ist die Buch­sta­bie­rung nach dem pos­ta­li­schen Buch­sta­bier­al­pha­bet von 1950:

  1. Vik­tor
  2. Emil
  3. Richard
  4. Samuel
  5. Cäsar
  6. Hein­reich
  7. Emil
  8. Ida
  9. Dora
  10. Emil
  11. Nord­pol

International ist das eng­lischs­spra­chige ICAO-Alpha­bet (kein „ẞ“ und keine Umlaute) an­er­kannt:

  1. Vic­tor
  2. Echo
  3. Romeo
  4. Sierra
  5. Char­lie
  6. Hotel
  7. Echo
  8. India
  9. Delta
  10. Echo
  11. Novem­ber

Heute vorwiegend nur noch als Funk­feuer in der Luft- und Schiff­fahrt ge­bräuch­lich ist der Mor­se­code (auch Mor­se­al­pha­bet oder Mor­se­zei­chen genannt):

  1. ▄ ▄ ▄ ▄▄▄▄
  2. ▄ ▄▄▄▄ ▄
  3. ▄ ▄ ▄
  4. ▄▄▄▄ ▄ ▄▄▄▄ ▄
  5. ▄ ▄ ▄ ▄
  6. ▄ ▄
  7. ▄▄▄▄ ▄ ▄
  8. ▄▄▄▄ ▄

Scrabble

Beim Scrabble gibt es 20 Punkte für das Wort.

verscheiden

Bitte je­doch stets das offi­zielle Scrabble-Regel­werk (z. B. zu Vor- und Nach­silben) beachten!

Worthäufigkeit

Das Tu­wort ver­schei­den kam im letz­ten Jahr äußerst sel­ten in deutsch­spra­chi­gen Tex­ten vor. Dies hat eine Aus­wer­tung meh­re­rer Mil­lio­nen Bei­spiel­sätze ergeben.

Vorkommnisse im Sprachwörterbuch

an­ders:
verschieden, abweichend (von etwas), auf andere Weise
dif­fe­ren­zie­ren:
einen Unterschied machen; feststellen, dass etwas verschieden ist
Har­mo­ni­um:
Tasteninstrument, bei dem der Ton durch verschieden lange Durchschlagzungen erzeugt wird, die von Luft umströmt in Schwingung versetzt werden
Ka­pel­len­tür:
eine baulich verschieden ausgestaltete Öffnung in einem Kapellenbau, deren hauptsächliche Funktion darin besteht, in das Bauwerk eintreten zu können
kon­t­rär:
total verschieden
Schleu­se:
verschließbares Tor zur Regulierung verschieden hoher Wasserstände
Spach­tel:
Werkzeug mit Griff und unterschiedlich breitem, verschieden geformtem Metallblatt zum Verstreichen/Verteilen feuchter Masse
Strich­code:
optoelektronisch lesbare Schrift, die aus verschieden breiten, parallelen Strichen und Lücken besteht
un­ter­schei­den:
oder mit zwischen: einen Unterschied machen; feststellen, dass etwas verschieden ist
Un­ter­schei­dung:
die Tätigkeit, zwei oder mehr Objekte als verschieden (ungleich oder nicht identisch) zu erkennen oder zu definieren

Buchtitel

  • Ganz verschieden gleich Nozomu Hiiragi | ISBN: 978-3-84206-011-1
  • Miteinander verschieden sein Christa Uehlinger | ISBN: 978-3-03909-233-8
  • Verliebt, verlobt, verheiratet, verschieden Arno Backhaus, Hanna Backhaus | ISBN: 978-3-77515-486-4
  • Wir sind gleich und doch verschieden Marie Murray | ISBN: 978-3-52230-562-4
Quellen:
  1. [Allgemeine Datenbasis] Wiktionary-Autoren: verscheiden. In: Wiktionary – Das freie Wörterbuch, 2023, [online] de.wiktionary.org, CC BY-SA 3.0
  2. [Thesaurus] OpenThesaurus-User: verscheiden. In: OpenThesaurus – Das freie Wörterbuch für Synonyme, 2023, [online] openthesaurus.de, CC BY-SA 4.0
  3. [erweiterte Beispielsätze] User-generated content: Satz-Nr. 11204125, 10521361, 10195040, 10004708, 10000497, 9985622, 9525097, 9451258, 9387596, 8723680, 6150585, 6126526, 5984448, 5338940, 5298816, 4154430, 4153302, 4041358 & 4003144. In: tatoeba.org, CC BY 2.0 FR
  4. [Newskorpus] D. Goldhahn, T. Eckart & U. Quasthoff: Building Large Monolingual Dictionaries at the Leipzig Corpora Collection: From 100 to 200 Languages. In: Proceedings of the 8th International Language Resources and Evaluation (LREC'12), 2012, CC BY 4.0
  1. Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 8., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-411-05508-1
  2. Welt 1998