schweifen

Verb (Tunwort)

Aussprache

Lautschrift (IPA):[ ˈʃvaɪ̯fn̩ ]

Silbentrennung

schweifen

Definition bzw. Bedeutung

  • mit Hilfsverb haben, fachsprachlich: etwas biegen, in eine gebogene Form bringen

  • mit Hilfsverb sein, gehoben: sich ohne festes Ziel in einem Bereich bewegen

Begriffsursprung

  • Das starke Verb fällt in frühneuhochdeutscher Zeit mit dem zugehörigen schwachen Verb althochdeutsch sweifen (umstürzen) (8. Jahrhundert), mittelhochdeutsch sweifen (schwingen) zusammen und gibt die starke Flexion auf.

  • Von mittelhochdeutsch sweifen, althochdeutsch sweifan (schwingen, in Drehung versetzen, bogenförmig gehen), ursprünglich biegen, drehen, schwingen. Das DWDS übersetzt althochdeutsch sweifan mit kämpfen (8. Jahrhundert). Auch altsächsisch farswēpan (vertreiben), altenglisch swāpan (fegen, schwingend bewegen), englisch (schwach) to swoop (niederstoßen, sich stürzen von Vögeln), altnordisch sveipa (werfen, umhüllen). Schweifen führt mit dem Substantiv Schweif sowie mit mittelniederdeutsch mittelniederländisch swēpe, niederländisch zweep, altenglisch swipu, swipe, altnordisch svipa (Peitsche), gotisch midjasweipains (Überflutung, Sintflut (eigentlich ‘Fegung der Mitte’)) und vielleicht mit awestisch xšvaēwayat̰. aštrā- (der die Peitsche kreisen lässt, schwingt), xšviwra- (flink) auf indoeuropäisch *su̯eib-, eine Labialerweiterung der Wurzel indoeuropäisch *su̯ē̌(i)- (biegen, drehen, schwingen).

Konjugation

  • Präsens: schweife, du schweifst, er/sie/es schweift
  • Präteritum: ich schweif­te
  • Konjunktiv II: ich schweif­te
  • Imperativ: schweif/​schweife! (Einzahl), schweift! (Mehrzahl)
  • Partizip II: ge­schweift
  • Hilfsverben: haben, sein

Anderes Wort für schwei­fen (Synonyme)

krümmen:
(allmählich) krumm werden
eine ungerade Körperhaltung annehmen
streifen:
Hilfsverb haben: jemanden oder etwas leicht berühren
Hilfsverb sein: sich fortbewegen, ohne eine klare Richtung auf ein Ziel zu folgen
treiben:
(Blech) in eine bestimmte Form hämmern
(Blüten und so weiter, auch medizinisch) physiologische Reaktionen hervorbringen

Sinnverwandte Wörter

schlen­dern:
ohne bestimmtes Ziel locker und langsam umhergehen
wan­deln:
etwas umformen
sich ändern
wan­dern:
(häufig, in regelmäßigen Abständen) den Aufenthaltsort wechseln
die Lage verändern, die vorgesehene Lage verlassen
zie­hen:
(Konsequenzen, Schlüsse und so weiter) bilden und entsprechend handeln
beide Hilfsverben: eine Spielfigur bewegen

Beispielsätze

  • Sie lässt den Blick schweifen.

  • Wenn man das Metall schweift, biegt man es nicht nur, man dehnt es auch bei der Bearbeitung.

  • Wir schweifen durch einen Ort.

  • Maria bekam trübe Augen, und ihr Blick schweifte über Toms Schulter, während der weiterredete.

  • Er schweifte ab, kehrte dann aber zum Thema zurück.

  • Sie ließ ihren Blick neugierig durch das Zimmer schweifen.

  • In der Ferne schweifen auf Wiesenhängen angehobbelte Pferde umher, obgleich noch nicht überall das Heu abgeholt worden ist.

  • In ihrer Rede schweifte sie oft aus, verlor jedoch nie den Faden.

  • Aber ich schweife ab.

  • Er schweift mit einem suchenden Blick umher.

  • Sein Blick schweifte ziellos umher.

  • In seinem Armsessel sitzend, ließ er seine Gedanken in die Zukunft schweifen.

  • Der Redner schweifte vom Hauptthema ab.

Praktische Beispiele aus der Medienlandschaft

  • Den Blick ins Weite schweifen lassen: So sieht es in Richtung Erlanger Innenstadt aus.

  • Beinahe hektisch lasse ich meine Blicke durch den Raum schweifen.

  • Der Jugendhausleiter lässt seinen Blick durch den großen Raum im Erdgeschoss des Klein Bonums schweifen.

  • Fromm lässt die geschulten Augen des Filmemachers über das Ufer schweifen.

  • Dann lauscht der 52-Jährige dem Vogelgezwitscher, lässt seinen Blick über seinen Hof und die Wiesen schweifen.

  • Auf ungefähr 80 Metern angekommen, lassen wir den Blick über den eher unspektakulären Münchner Norden mit seinen Gewerbegebieten schweifen.

  • Aber ich konnte mich kaum auf diesen Auftrag konzentrieren, geschweige denn den Blick in Ruhe durchs liebliche Glottertal schweifen lassen.

  • Kurz lässt der Kletterer den Blick über einen Kanal schweifen, dann löst er die Hand vom Baumstamm und stößt sich ab.

  • Denker schweifen gerne mit ihrem Blick ab, wenn ihnen zum Beispiel eine Frage gestellt wird.

  • Ansonsten müssen die Forscher in die Ferne schweifen.

  • Der Kollege E. begann unlängst in diesem Blatt eine Glosse so: "Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?

  • Nach drei Stunden beginnt das Auge zu schweifen: Da! Auf dem Gerät liegt Staub.

  • Aber warum in die Ferne schweifen, sprich: zum Fernseher?

  • Am Beginn steht das Ensemble in schwarz-weißen Kostümen regungslos da, läßt die Blicke schweifen.

  • Gelangweilt lassen die Delegierten im Halbdunkel den Blick schweifen.

Wortbildungen

Untergeordnete Begriffe

Übersetzungen

Was reimt sich auf schwei­fen?

Wortaufbau

Das zweisilbige Verb schwei­fen be­steht aus neun Buch­sta­ben und setzt sich wie folgt zu­sammen: 2 × E, 1 × C, 1 × F, 1 × H, 1 × I, 1 × N, 1 × S & 1 × W

  • Vokale: 2 × E, 1 × I
  • Konsonanten: 1 × C, 1 × F, 1 × H, 1 × N, 1 × S, 1 × W

Eine Worttrennung ist nach dem I mög­lich.

Das Alphagramm von schwei­fen lautet: CEEFHINSW

Buchstabiertafel

Entsprechend der deut­schen Buch­sta­bier­ta­fel für Wirt­schaft und Ver­wal­tung (DIN 5009:​2022-06) wird das Wort fol­gen­der­maßen buch­sta­biert:

  1. Salz­wedel
  2. Chem­nitz
  3. Ham­burg
  4. Wupper­tal
  5. Essen
  6. Ingel­heim
  7. Frank­furt
  8. Essen
  9. Nürn­berg

In Deutschland ebenfalls ge­läufig ist die Buch­sta­bie­rung nach dem pos­ta­li­schen Buch­sta­bier­al­pha­bet von 1950:

  1. Samuel
  2. Cäsar
  3. Hein­reich
  4. Wil­helm
  5. Emil
  6. Ida
  7. Fried­rich
  8. Emil
  9. Nord­pol

International ist das eng­lischs­spra­chige ICAO-Alpha­bet (kein „ẞ“ und keine Umlaute) an­er­kannt:

  1. Sierra
  2. Char­lie
  3. Hotel
  4. Whis­key
  5. Echo
  6. India
  7. Fox­trot
  8. Echo
  9. Novem­ber

Heute vorwiegend nur noch als Funk­feuer in der Luft- und Schiff­fahrt ge­bräuch­lich ist der Mor­se­code (auch Mor­se­al­pha­bet oder Mor­se­zei­chen genannt):

  1. ▄ ▄ ▄
  2. ▄▄▄▄ ▄ ▄▄▄▄ ▄
  3. ▄ ▄ ▄ ▄
  4. ▄ ▄▄▄▄ ▄▄▄▄
  5. ▄ ▄
  6. ▄ ▄ ▄▄▄▄ ▄
  7. ▄▄▄▄ ▄

Scrabble

Beim Scrabble gibt es 18 Punkte für das Wort.

schweifen

Bitte je­doch stets das offi­zielle Scrabble-Regel­werk (z. B. zu Vor- und Nach­silben) beachten!

Worthäufigkeit

Das Tu­wort schwei­fen kam im letz­ten Jahr regel­mäßig in deutsch­spra­chi­gen Tex­ten vor. Die Wort­häu­fig­keit ist un­ge­fähr gleich­blei­bend. Dies hat eine Aus­wer­tung meh­re­rer Mil­lio­nen Bei­spiel­sätze ergeben.

Quellen:
  1. [Allgemeine Datenbasis] Wiktionary-Autoren: schweifen. In: Wiktionary – Das freie Wörterbuch, 2023, [online] de.wiktionary.org, CC BY-SA 3.0
  2. [Thesaurus] OpenThesaurus-User: schweifen. In: OpenThesaurus – Das freie Wörterbuch für Synonyme, 2024, [online] openthesaurus.de, CC BY-SA 4.0
  3. [erweiterte Beispielsätze] User-generated content: Satz-Nr. 11550136, 3891097, 2705919, 2167407, 1526373, 1524667, 1242937, 935397, 690611 & 438344. In: tatoeba.org, CC BY 2.0 FR
  4. [Newskorpus] D. Goldhahn, T. Eckart & U. Quasthoff: Building Large Monolingual Dictionaries at the Leipzig Corpora Collection: From 100 to 200 Languages. In: Proceedings of the 8th International Language Resources and Evaluation (LREC'12), 2012, CC BY 4.0
  1. Duden Online
  2. DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache
  3. nn.de, 17.12.2022
  4. pcgames.de, 24.04.2021
  5. die-glocke.de, 23.10.2020
  6. tagesspiegel.de, 21.04.2018
  7. blick.ch, 01.10.2016
  8. nzz.ch, 20.01.2013
  9. welt.de, 15.08.2011
  10. ruhrnachrichten.de, 11.07.2010
  11. business-wissen.de, 07.11.2009
  12. net-tribune.de, 21.11.2008
  13. sueddeutsche.de, 25.02.2003
  14. berlinonline.de, 22.05.2002
  15. Berliner Zeitung 2000
  16. Tagesspiegel 1998
  17. Die Zeit 1995