entwürdigen

Verb (Tunwort)

Aussprache

Lautschrift (IPA): [ɛntˈvʏʁdɪɡn̩]

Silbentrennung

entwürdigen

Definition bzw. Bedeutung

Jemandem oder etwas den innewohnenden oder beigegebenen Wert, die Wertigkeit (die Würde) nehmen.

Begriffsursprung

Derivation (Ableitung) zum Verb würdigen mit dem Derivatem ent-

Konjugation

  • Präsens: entwürdige, du entwürdigst, er/sie/es ent­wür­digt
  • Präteritum: ich ent­wür­dig­te
  • Konjunktiv II: ich ent­wür­dig­te
  • Imperativ: entwürdig/​entwürdige! (Einzahl), ent­wür­digt! (Mehrzahl)
  • Partizip II: ent­wür­digt
  • Hilfsverb: haben

Anderes Wort für ent­wür­di­gen (Synonyme)

abkanzeln:
mit harschen Worten, von oben herab, kritisieren
abqualifizieren (ugs.):
transitiv: auch zu Unrecht abwertend beurteilen
absauen (derb)
anmachen (ugs.):
(ein Gerät) einschalten
(Feuer) anzünden
anmotzen (ugs.)
anpampen (ugs.)
anpöbeln (ugs.):
mit beleidigenden Äußerungen andere Menschen belästigen
ausschimpfen:
jemanden mit lauter Stimme zurechtweisen, jemandem mit lauter Stimme Vorwürfe machen
beleidigen:
auf etwas (insbesondere Sinnesorgane) dadurch einwirken, dass sie als negativ zu klassifizierenden Eindrücken ausgesetzt werden
den Tatbestand der Beleidigung verwirklichen
diffamieren (geh.):
jemanden in seinem Ansehen schädigen, ihn herabsetzen, oder ihn in Verruf bringen
entwerten:
etwas wertlos oder weniger wertvoll machen
herabsetzen:
(einen Wert) geringer machen
mit Geringschätzung, kränkend behandeln; die Bedeutung oder das Ansehen einer Person oder Sache schmälern
herabwürdigen:
eine Person schlecht behandeln, abwerten; schlecht über eine Leistung reden
niedermachen:
(Hilflose/Wehrlose in großer Zahl) brutal umbringen
(jemanden oder etwas) als sehr schlecht bezeichnen, erniedrigende, heftige Kritik üben
(he)runtermachen (ugs.)
(he)runterputzen (ugs.)
schimpfen (ugs.):
(einer anderen Person) seinen Ärger kundtun
jemanden, sich oder etwas auf eine bestimmte Weise benennen
zur Sau machen (derb, fig.)
zur Schnecke machen (ugs., fig.)
zusammenstauchen (ugs.):
auf ein kleineres Außenmaß bringen
ordentlich ausschimpfen
(sich) demütigen:
jemanden durch Worte oder Handlungen erniedrigen, in seiner Würde und seinem Stolz verletzen
sich selbst vor jemandem erniedrigen, herabsetzen
(sich) erniedrigen:
etwas umgestalten, so dass es niedriger wird
jemanden (moralisch) abstufen, abwerten
im Staub(e) kriechen vor (geh., fig., veraltend)
(sich) wegwerfen (fig.):
etwas im Müll oder in der freien Landschaft entsorgen
etwas mit den Armen beschleunigen und so durch die Luft fliegen lassen, dass es sich vom Werfer wegbewegt
beschämen:
Scham in jemandem hervorrufen
entehren:
so handeln, dass jemand seine Ehre verliert

Sinnverwandte Wörter

ver­let­zen:
etwas (eine Grenze, ein Gesetz) übertreten, nicht einhalten, nicht beachten
jemandem psychische Wunden zufügen, jemanden kränken

Beispielsätze

  • Ein Gesetz, das Quoten bei der Stellenbesetzung festlegt, entwürdigt das Individuum.

  • Lautes Geschrei in einem sakralen Gebäude entwürdigt einen heiligen Ort.

  • Es war eine entwürdigende Prozedur, als sie sich vor dem Personal ausziehen und untersuchen lassen musste.

  • Entfremdet und entwürdigt ist nicht nur der, der kein Brot hat, sondern auch der, der keinen Anteil an den großen Gütern der Menschheit hat.

  • Ich habe mich selbst entwürdigt.

Praktische Beispiele aus der Medienlandschaft

  • Mit dem Kopftuch wird die Frau entwürdigt, verliert ihr menschliches Antlitz und wird zu einem Phantom.

  • Die "SZ" fordert das Ende der entwürdigen Exhumierung ehemaliger Rockbands.

  • Durch die Medien ist einerseits alles antastbar und darf entwürdigt werden.

  • Weil ich mich dann nicht mehr von der Politik so beleidigt und entwürdigt fühlen müsste.

  • Infolgedessen liegen zahlreiche unbekannte und vergessene New Yorker entwürdigt unter dem Washington Square.

  • Solche Patente auf Leben "entwürdigen die belebte Natur, weil sie mit einem industriellen Produkt gleichgesetzt wird.

  • Wahlplakate "sind nicht zulässig; sie entwürdigen den Wahlvorgang."

  • Sie sind empört über ihre Behandlung, sie pfeifen auf die poetische Wahrheit, sie fühlen sich entwürdigt, bloßgestellt und demontiert.

  • Eine Gesellschaft, die sich nur noch über Wurstpreise verständigt, entwürdigt sich selbst.

  • Er fühle sich entwürdigt, warf er ihr an den Kopf.

Wortaufbau

Das viersilbige Verb ent­wür­di­gen be­steht aus elf Buch­sta­ben und setzt sich wie folgt zu­sammen: 2 × E, 2 × N, 1 × D, 1 × G, 1 × I, 1 × R, 1 × T, 1 × Ü & 1 × W

  • Vokale: 2 × E, 1 × I, 1 × Ü
  • Konsonanten: 2 × N, 1 × D, 1 × G, 1 × R, 1 × T, 1 × W
  • Umlaute: 1 × Ü

Eine Worttrennung ist nach dem T, R und I mög­lich.

Das Alphagramm von ent­wür­di­gen lautet: DEEGINNRTÜW

Buchstabiertafel

Entsprechend der deut­schen Buch­sta­bier­ta­fel für Wirt­schaft und Ver­wal­tung (DIN 5009:​2022-06) wird das Wort fol­gen­der­maßen buch­sta­biert:

  1. Essen
  2. Nürn­berg
  3. Tü­bin­gen
  4. Wupper­tal
  5. Umlaut-Unna
  6. Ros­tock
  7. Düssel­dorf
  8. Ingel­heim
  9. Gos­lar
  10. Essen
  11. Nürn­berg

In Deutschland ebenfalls ge­läufig ist die Buch­sta­bie­rung nach dem pos­ta­li­schen Buch­sta­bier­al­pha­bet von 1950:

  1. Emil
  2. Nord­pol
  3. Theo­dor
  4. Wil­helm
  5. Über­mut
  6. Richard
  7. Dora
  8. Ida
  9. Gus­tav
  10. Emil
  11. Nord­pol

International ist das eng­lischs­spra­chige ICAO-Alpha­bet (kein „ẞ“ und keine Umlaute) an­er­kannt:

  1. Echo
  2. Novem­ber
  3. Tango
  4. Whis­key
  5. Uni­form
  6. Echo
  7. Romeo
  8. Delta
  9. India
  10. Golf
  11. Echo
  12. Novem­ber

Heute vorwiegend nur noch als Funk­feuer in der Luft- und Schiff­fahrt ge­bräuch­lich ist der Mor­se­code (auch Mor­se­al­pha­bet oder Mor­se­zei­chen genannt):

  1. ▄▄▄▄ ▄
  2. ▄▄▄▄
  3. ▄ ▄▄▄▄ ▄▄▄▄
  4. ▄ ▄ ▄▄▄▄ ▄▄▄▄
  5. ▄ ▄▄▄▄ ▄
  6. ▄▄▄▄ ▄ ▄
  7. ▄ ▄
  8. ▄▄▄▄ ▄▄▄▄ ▄
  9. ▄▄▄▄ ▄

Scrabble

Beim Scrabble gibt es 19 Punkte für das Wort.

entwürdigen

Bitte je­doch stets das offi­zielle Scrabble-Regel­werk (z. B. zu Vor- und Nach­silben) beachten!

Worthäufigkeit

Das Tu­wort ent­wür­di­gen kam im letz­ten Jahr äußerst sel­ten in deutsch­spra­chi­gen Tex­ten vor. Dies hat eine Aus­wer­tung meh­re­rer Mil­lio­nen Bei­spiel­sätze ergeben.

Quellen:
  1. [Allgemeine Datenbasis] Wiktionary-Autoren: entwürdigen. In: Wiktionary – Das freie Wörterbuch, 2022, [online] de.wiktionary.org, CC BY-SA 3.0
  2. [Thesaurus] OpenThesaurus-User: entwürdigen. In: OpenThesaurus – Das freie Wörterbuch für Synonyme, 2023, [online] openthesaurus.de, CC BY-SA 4.0
  3. [erweiterte Beispielsätze] User-generated content: Satz-Nr. 2302081 & 2221463. In: tatoeba.org, CC BY 2.0 FR
  4. [Newskorpus] D. Goldhahn, T. Eckart & U. Quasthoff: Building Large Monolingual Dictionaries at the Leipzig Corpora Collection: From 100 to 200 Languages. In: Proceedings of the 8th International Language Resources and Evaluation (LREC'12), 2012, CC BY 4.0
  1. handelsblatt.com, 03.09.2016
  2. spiegel.de, 29.12.2007
  3. spiegel.de, 23.02.2005
  4. fr-aktuell.de, 11.03.2004
  5. sz, 15.11.2001
  6. DIE WELT 2000
  7. Berliner Zeitung 1999
  8. Die Zeit (22/1998)
  9. Tagesspiegel 1998
  10. Berliner Zeitung 1995